Artgerechte Hamsterhaltung
- Robert Brungert von Hamsterwelten.de

- vor 4 Stunden
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Blockautor: Robert Brungert www.hamsterwelten.de
Es ist noch nicht lange her, erst 1930 wurden Syrische Goldhamster von Israel Aharoni auf den Hochebenen Aleppos eingefangen. Bereits 1937 gelangten einige Goldhamster in die Hände privater Halter. Innerhalb von kurzer Zeit war der Goldhamster ein gefragtes Haustier – einstige Haltungsbedingungen waren fast immer nicht artgerecht.
Inzwischen werden auch Campbells, Dsungaren, deren Hybriden sowie Roborowskis und Chinesische Streifenhamster in Menschenhand als Haustiere gehalten. Alles in allem sind gerade diese Zwerghamster noch Wildtiere, während Goldhamster sich inzwischen über die Generationen hinweg an ihr Dasein als Haustier etwas angepasst haben. Sie sind pummeliger und schwerer, als ihre wilden Artgenossen. Auch diese Goldhamster haben dennoch hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, den wir ihnen bereitstellen müssen.

Der Gesetzgeber greift zu kurz
In der Schweiz ist das „Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen“ (BLV) für den Tierschutz unserer Haustiere zuständig und gibt Merkblätter heraus – „Goldhamster im Recht“. Hier sind die Mindestanforderungen für die Haltung vermerkt:
- das Goldhamstergehege muss mindestens 0,18 m² groß sein – beispielsweise 50 x 36 cm
- die Einstreutiefe muss mindestens 15 cm betragen, damit die Wühler wühlen können
- die Einrichtung muss ein arttypisches Verhalten ermöglichen
- es sollen vorhanden sein: Klettermöglichkeiten, Nageobjekte, Rückzugsmöglichkeiten, Nestmaterial
- Futter und Wasser müssen durchgehend in genügender Menge vorhanden sein
- Goldhamster sind immer einzeln zu halten
Diese gesetzliche Regelung ist gut und richtig, um das absolute Minimum zu definieren, ab dem es für die Halter strafbar wird. Eine artgerechte Haltung ist auf zu wenig Raum mit einer so geringen Einstreutiefe jedoch nicht möglich. Das BLV selber verweist deswegen auf den „Schweizer Tierschutz STS“. Dieser spricht lediglich Empfehlungen aus. Mit diesen ist die artgerechte Haltung der Goldhamster schon eher möglich.
Der Schweizer Tierschutz zur artgerechten Haltung der Goldhamster
- die Grundfläche soll wenigstens 1 m² betragen
- die Mindesthöhe soll wenigstens bei 0,6 Metern liegen
- die Einstreutiefe soll wenigstens 0,4, besser 0,8 m betragen
Der untere Teil des Hamsterstalls soll mit Glas oder Plexiglas eingefasst werden, damit die Einstreu im Innern bleibt. Über dem unteren Teil sollen möglichst mehrere Ebenen folgen, diese können mit Gitterstäben eingefasst sein.
Begründung: Hamster neigen zum Gitternagen. Ab einer Einstreutiefe von 40 cm wird viel weniger an den Gitterstäben genagt. Mit einer Tiefe von 80 cm stellen die Goldhamster das Gitternagen komplett ein. Wichtig ist, dass die Einstreu grabfähig ist. Sie kann aus Hobelspäne bestehen, die mit etwas Heu oder Stroh gemischt werden. Dieses Gemisch wird gestampft, damit es fester ist. Flache Steine können zum Abwetzen der Krallen hilfreich sein. Diese und andere schwere Gegenstände dürfen aber nicht auf der Einstreu stehen. Gräbt der Hamster darunter, kann alles nachsacken und das Tier erdrücken.
Der richtige Standort für den Hamsterstall ist ein ruhiger und etwas dunkler Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Es darf nicht ziehen.
In die oberen Ebenen kann die weitere Einrichtung gestellt werden. Das Sandbad darf nicht fehlen, es ist wichtig für die Fellpflege. Außerdem muss es mindestens drei Unterschlüpfe geben. Hamster sind sehr gute Kletterer und freuen sich über breite Kletteräste im Gehege. Wer ein Laufrad aufstellt, soll auf einen Durchmesser von wenigstens 30 cm achten. Hamsterbälle und synthetische Hamsterwatte sind komplett ungeeignet.
Zu beachten bleibt, dass genug Luftaustausch stattfinden kann. Reptilienterrarien oder geschlossene Käfige aus Plastik sind ungeeignet.
Für die Fütterung ist darauf zu achten, dass die Futtermischung sich für Goldhamster eignet und nur zwei Teelöffel am Tag gegeben werden. Weiterhin müssen Hamster kleine Mengen tierischer Kost erhalten. Beispielsweise Futterinsekten, ungewürztes Hackfleisch oder Quark. Auch frische Kost aus Gemüse und Kräutern soll nicht fehlen. Auf Kernobst, Zwiebelgewächse und exotische Früchte ist jedoch zu verzichten.

Die nachtaktiven Hamster sind für Kinder ungeeignet. Es handelt sich um keine Tiere zum Streicheln oder Spielen. Goldhamster sind instinktiv Fluchttiere und aufgrund ihrer Größe nicht robust. Sie eignen sich zum Beobachten.
Was ist mit Zwerghamstern?
Der STS rät zur Haltung von Goldhamstern, da die artgerechte Haltung von Zwerghamstern kaum möglich ist. Demnach sind Goldhamster strikte Einzelgänger, die nur während der Paarungszeit eine Ausnahme machen. Zwerghamster sind hingegen geselliger und leben in Paaren oder Familienverbänden. ABER in freier Natur haben die Tiere viel Platz und lernen sich entweder während der Paarungszeit oder bereits als Jungtiere kennen. In Menschenhand können sie einander im kleinen Gehege kaum aus dem Weg gehen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Tiere irgendwann doch aggressiv werden und einander blutig beißen.
Außerdem wäre es notwendig, die männlichen Hamster zu kastrieren, wenn diese mit weiblichen Exemplaren zusammenleben sollen. Nur wenige Tierärzte machen das und es gibt ein hohes Risiko für die Tiere.
Weiterhin verstehen sich meistens nur Wurfgeschwister, da sich erwachsene Zwerghamster höchstens während der Paarungszeit aneinander gewöhnen.
Chinesischer Streifenhamster: mindestens 10 m² für die Paarhaltung mit kastrierten Männchen
Dsungarischer Zwerghamster: gemischtgeschlechtliche Paare mit kastriertem Männchen sind möglich
Campbell-Zwerghamster: gemischtgeschlechtliche Paare mit kastriertem Männchen sind möglich
Roborowski-Zwerghamster: gemischtgeschlechtliche Paare und Familien mit kastrierten Männchen sind möglich, Streitereien in gleichgeschlechtlichen Gruppen sind möglich, aber selten
In der Haltung sind die Zwerghamster den Goldhamstern ansonsten sehr ähnlich. Der Käfig kann jedoch etwas kleiner ausfallen – 0,75 m² Grundfläche mit einer Mindesthöhe von 0,6 m würden genügen. Laufräder sollen mindestens 20 cm Durchmesser mitbringen.
Artgerechte Hamsterhaltung praktikabel umsetzen
Zwischen dem Gesetzgeber und dem STS liegen gerade in den Angaben für die Käfiggröße Welten. Sicherlich definiert der Gesetzgeber das absolute Minimum und der STS verwendet Wohlfühlmaße. Wenn allein die Grundfläche für Goldhamster einen m² beträgt, dann sind das beispielsweise 135 x 75 cm. Diese Grundfläche soll im Idealfall noch eine 80 cm tiefe Einstreu haben und sich über mehrere Ebenen in die Höhe ziehen. Solche Käfige sind im Handel Mangelware, viele Modelle würden nicht einmal dem Gesetzgeber genügen.
Im praktischen Alltag heißt das: Selber bauen oder bauen lassen und mit allen Maßen möglichst dicht an die Anregungen des Schweizer Tierschutz STS herankommen. Diese Angaben sind durchaus vorbildlich, aber für viele Haushalte schwer umsetzbar. Im Zweifelsfall wäre es besser, auf das Haustier zu verzichten.
Wer seinen Hamsterstall baut und nicht ganz an die für den Hamster eigentlich gerechten Maße herankommt, kann vieles durch Fürsorge ausgleichen. (gesetzliche Mindestflächen dürfen dabei auf keinen Fall unterschritten werden)
Der Hamster wird es merken, wenn er beobachtet wird, Futterinsekten angereicht bekommt und regelmäßig frische Zweige von Haselnuss oder Obstbäumen erhält.
Immer dann, wenn der Käfig etwas kleiner ist, kann über die Einrichtung sehr viel ausgeglichen werden. Diese soll vielfältig sein und Möglichkeiten zum Klettern und Nagen bieten. Immerhin wachsen die Zähne der Nager ständig nach und müssen abgenutzt werden.
Wir werfen einen Blick nach Deutschland
In Deutschland ist die Situation sehr ähnlich: Der Gesetzgeber definiert das Minimum und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. nähert sich der artgerechten Haltung an. Nur, dass diese Empfehlungen deutlich von denen des Schweizer Tierschutz STS abweichen.
Widersprüchliche Beispiele für die Angaben des deutschen TVT:
- Käfiggröße für Goldhamster und Zwerghamster mindestens 100 x 50 x 50
- Einstreutiefe für Goldhamster und Zwerghamster mindestens 25 cm
- Zwerghamster wären in freier Natur Einzelgänger und müssen alleine leben
Diese Empfehlungen wurden erst 2025 überarbeitet und dem aktuellen Stand der Erkenntnisse angepasst. Ansonsten überschneiden sich die Anregungen beider Tierschutzorganisationen jedoch sehr deutlich.

Erfahrene deutsche Hamsterhalter würden eher 120 x 60 x 60 cm für Goldhamster empfehlen. Auch die Einstreutiefe soll für diese dicker sein, als sie für Zwerghamster empfohlen wird. Weiterhin soll der Hamsterstall auf Gitterstäbe komplett verzichten. Dann können die Tiere nicht mehr daran klettern oder nagen.
Weiterhin gibt es erfahrene Halter, die Campbells in Kleingruppen halten, es handelt sich um Geschwistertiere. Sie raten Anfängern jedoch davon ab. Anfänger der Hamsterhaltung sollten es bei den ruhigeren Goldhamstern belassen. Zwerghamster sind hektischer, tendenziell scheuer und damit insgesamt schwieriger.
Zum guten Schluss
Wer sich vor seinem ersten Hamster gut informiert und sein Tier möglichst artgerecht halten will, wird die gesetzlichen Vorgaben der Schweiz oder der Deutschen kaum unterbieten. Wenn jedoch bedacht wird, dass auch die Anregungen beider Tierschutzorganisationen möglichst noch übertroffen werden sollen, dann wird es für viele Schweizer schwierig.
Die Motivation sollte lauten, möglichst dicht an diese Vorgaben heranzukommen und den Hamsterstall abwechslungsreich einzurichten. Auch das richtige Trockenfutter, gepaart mit täglichem Frischfutter, gibt den Tieren sehr viel.

Selbst wenn Hamster meistens nicht angefasst oder hochgehoben werden wollen, sollten sie beachtet werden. Die kleinen Nager haben immerhin nur uns und ihren Käfig. Sie werden sich gerne beobachten lassen.
Siehe auch:
Text Robert Brungert
Fotos Heiko Fröhlich
Team https://hamsterwelten.de/, Ihr Shop für die artgerechte Hamsterhaltung.
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