Ein Geschenk mit Pfoten und grossen Erwartungen
- Steffi

- 21. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
An Weihnachten lag zwischen glänzendem Papier und leisen Weihnachtsliedern eine Transportbox im Wohnzimmer. Darin sass eine junge Katze, grau getigert, mit einer weissen Brust und Augen, die vorsichtig in eine fremde Welt blickten.
Sie war ein Geschenk voller Hoffnung. Die Person, die sie überreichte, hatte es von Herzen gut gemeint. Sie wollte Nähe schenken, Gesellschaft, ein warmes Gefühl gegen die Einsamkeit des Winters.

Die Katze kam in ein Zuhause, das sauber war, ordentlich, ruhig. Vielleicht zu ruhig. Der Mensch, der sie erhielt, hatte Katzen immer schön gefunden, aber nie wirklich darüber nachgedacht, was es bedeutet, mit einem Tier zu leben. Anfangs war da Freude. Die Katze erkundete vorsichtig die Wohnung, rollte sich auf dem Sofa zusammen, schnurrte leise, wenn eine Hand sie streichelte. Es schien zu funktionieren.
Doch Katzen sind keine stillen Mitbewohner, die sich dem Leben eines Menschen anpassen, ohne etwas zurückzufordern. Sie brauchen Geduld, Verständnis, Struktur. Sie brauchen Zeit, Spiel, Rückzugsmöglichkeiten – und manchmal auch starke Nerven. Die Katze war lebhaft, neugierig, nachts aktiv. Sie kratzte an Möbeln, miaute vor der Schlafzimmertür, wollte spielen, wenn der Mensch müde war.
Mit der Zeit verwandelte sich die anfängliche Zuneigung in Überforderung. Das Spielen wurde seltener, das Streicheln kürzer. Die Katze spürte die Veränderung. Sie begann, sich zurückzuziehen, wurde unsauber, versteckte sich unter dem Bett. Ihr Verhalten war ein leiser Hilferuf, doch er blieb unbeantwortet. Stattdessen wuchs die Frustration auf beiden Seiten.

Der Gedanke, dass dieses Tier vielleicht einfach „nicht passt“, schlich sich ein. Die Katze wurde als schwierig empfunden, als Belastung. Dabei war sie nichts anderes als eine Katze, die versuchte, in einer Umgebung zu überleben, die ihr nicht gerecht wurde. Die Tage wurden gleichförmig, emotionslos. Die Beziehung, die als Geschenk begonnen hatte, fühlte sich plötzlich wie ein Fehler an.
Schliesslich kam der Moment der Entscheidung. Die Katze wurde in eine Transportbox gesetzt – wieder eine Box, wieder Unsicherheit. Kein Zuhause mehr, das sich nach Zuhause anfühlte. Im Tierheim war alles fremd: Gerüche, Geräusche, andere Tiere, Gitter. Die Katze sass still in ihrer Box, zusammengerollt, als wolle sie so wenig Raum wie möglich einnehmen. Sie verstand nicht, warum sie gegangen war. Nur, dass sie wieder allein war.
Und doch endet ihre Geschichte nicht hier. Denn im Tierheim wurde sie gesehen. Nicht als Problem, nicht als Fehlentscheidung, sondern als Lebewesen mit einer Geschichte, mit Verletzlichkeit und stiller Hoffnung. Von jemandem der sich bewusst für diese Katze entschied und dem die lebenslange Verantwortung und den damit einhergehenden Aufgaben klar war. Langsam begann sie, wieder Vertrauen zu fassen. Ein vorsichtiges Schnurren, ein erster Blick aus der Box, ein zaghaftes Spiel mit einer Feder.

Diese Geschichte ist keine Anklage. Sie ist eine Erinnerung daran, dass Tiere keine Geschenke sind, sondern lebenslange Verantwortung zu der sich jeder selber entscheiden muss. Gute Absichten reichen nicht aus, wenn Zeit, Geduld und Bereitschaft fehlen. Denn jedes Tier bringt nicht nur Freude, sondern auch Bedürfnisse mit – und ein Herz, das brechen kann.
Manchmal braucht es einen Umweg, bis ein Tier dort ankommt, wo es wirklich gesehen wird. Und manchmal beginnt dieser Umweg mit einem Geschenk, das zu Weihnachten gemacht wurde – aus Liebe, aber ohne genug Weitblick.
Diese Katze hatte Glück, denn viele Tierheime sind um diese Jahreszeit voll. Wer weiss was ihr passiert wäre, hätte es keinen Platz mehr gegeben...
In diesem Sinne wünschen wir ALLEN Lebewesen: Frohe und bedachte Weihnachten!






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