Könnten wir nicht einfach einmal Tiere für ein paar Tage mit nach Hause nehmen???
- Haus der Tiere

- 29. Juli
- 5 Min. Lesezeit
In den letzten Tagen haben uns gleich mehrere Anrufe erreicht. Insgesamt fünf Menschen fragten uns unabhängig voneinander dasselbe:
"Wir überlegen uns einen Hund anzuschaffen. Könnten wir nicht einfach einmal einen Hund für ein paar Tage mit nach Hause nehmen, um zu schauen, ob das zu uns passt?"
Ganz ehrlich? Wir verstehen diesen Gedanken.
Er zeigt, dass sich jemand vor einer Adoption Gedanken macht und nicht leichtfertig handelt. Niemand möchte einem Hund ein Zuhause geben, um später festzustellen, dass es doch nicht passt.

Doch genau deshalb müssen wir leider Nein sagen.
Bitte versteht uns richtig: Wer Interesse an einem Hund hat, füllt das Bewerbungsformular aus, wird von uns kontaktiert und ein paar Dinge vielleicht geprüft. Anschliessend darf man das Tier besuchen, je nach Tierart gerne (Maus/ Hamster) 1 mal --- (Hunde) 3+ mal und wenn es passt, wird ein Vertrag gemacht und ein Probewohnen findet statt. Doch dann hat man sich vorab auch bereits überlegt, welcher Hunde-Typ passt zu meinem Leben. Darf ich Hunde halten? Wie regle ich Abwesenheiten? ...
Aber dazu später, jetzt erst mal zurück zu unseren Anrufen:
Ein Hund lebt in den ersten Tagen nicht so, wie er später wirklich ist
Viele stellen sich vor, dass sie in drei oder vier Tagen herausfinden können, wie das Zusammenleben mit einem Hund aussieht.
Die Realität ist jedoch eine ganz andere.
Ein Hund, der gerade seine vertraute Umgebung verlassen hat, lebt zunächst im Ausnahmezustand.
Viele Hunde wirken in dieser Zeit sogar besonders ruhig.
Nicht weil sie so entspannt sind – sondern weil sie unsicher sind.

Andere reagieren mit Stress, ziehen sich zurück, fressen schlecht oder schlafen kaum.
Man lernt in diesen ersten Tagen also nicht den Hund kennen!
Man erlebt lediglich seine Reaktion auf eine völlig unbekannte Situation.
Und genau deshalb wäre ein "Probewochenende" (ohne vorheriges Kennenlernen etc) kein realistischer Eindruck davon, wie das Leben mit diesem Hund später tatsächlich aussehen würde.
Die 3-Tage-, 3-Wochen-, 3-Monate-Regel
Im Tierschutz kennt man eine Faustregel, die zwar nicht auf jeden Hund gleich zutrifft, aber vielen Menschen hilft, das Verhalten ihres neuen Familienmitglieds besser einzuordnen.
Nach etwa 3 Tagen
Der Hund ist meist noch völlig überfordert.
Andere Hunde reagieren genau gegenteilig und zeigen Stress oder Unsicherheit.
In beiden Fällen sieht man noch nicht den "echten" Hund.
Nach etwa 3 Wochen

Langsam beginnt Vertrauen zu entstehen.
Jetzt beginnt das eigentliche Zusammenleben.
Nach etwa 3 Monaten
Erst jetzt fühlen sich viele Hunde wirklich zuhause.
Sie wissen, dass sie bleiben dürfen.
Sie bauen Bindungen auf.
Sie zeigen ihre Gewohnheiten.
Sie entwickeln Vertrauen.
Sie fühlen sich sicher.
Erst jetzt erleben viele Familien den Hund so, wie er wirklich ist.
Deshalb kann niemand innerhalb weniger Tage seriös beurteilen, ob ein Hund "passt".
Was passiert bei den Tieren?
Stellen wir uns vor, wir würden ein Tier, sagen wir einen Hund, für drei Tage in eine völlig fremde Familie geben.
Kaum beginnt er sich zu orientieren ...
... wird er wieder abgeholt.
Wenige Tage später zieht er vielleicht erneut um.
Für uns Menschen sind das nur drei Tage.
Für den Hund bedeutet das:
neue Menschen
neue Gerüche
neue Stimmen
neue Regeln
neue Schlafplätze
neues Futter
neue Umgebung
Und sobald er beginnt, sich etwas sicherer zu fühlen ...
... ist alles wieder vorbei.
Dieses Hin und Her bedeutet für viele Tiere enormen Stress.
Gerade Hunde aus dem Tierschutz haben häufig bereits mehrere Veränderungen erlebt.
Unser Ziel ist es deshalb nicht, ihnen noch mehr Unsicherheit zuzumuten.
Eine kleine Geschichte
Die kleine Marie spielte gerade mit ihren Bauklötzen, als bei ihrer Mama das Telefon klingelte.
Ein freundlicher Mann aus einem fernen Land meldete sich.
"Wir wünschen uns schon lange ein Kind", sagte er. "Bevor wir diese grosse Entscheidung treffen, würden wir gerne einmal ausprobieren, wie das ist. Könnten wir Marie für drei Tage ausleihen?"
Mama war sprachlos.

Drei Tage später sass Marie tatsächlich in einem Flugzeug.
Alles war fremd.
Eine andere Sprache.
Andere Gerüche.
Ein unbekanntes Haus.
Ein anderes Bett.
Unbekanntes Essen.
Menschen, die zwar freundlich waren, sie aber überhaupt nicht kannte.
Marie lächelte vorsichtig.
Nicht weil sie glücklich war.
Sondern weil sie nicht wusste, was sie tun sollte.
Sie fragte sich:
"Wo ist Mama?"
"Wann darf ich wieder nach Hause?"
"Habe ich etwas falsch gemacht?"
Nachts weinte sie leise in ihr Kissen.
Am dritten Tag brachte man sie wieder zurück.
Endlich Zuhause.
Endlich Sicherheit.
Doch kaum hatte sie verstanden, dass alles wieder gut war, hätte vielleicht schon die nächste Familie angerufen.
"Würden wir Marie auch einmal drei Tage testen dürfen?"
Natürlich wissen wir:
Ein Hund ist kein Menschenkind.
Und genau das möchten wir auch gar nicht behaupten.
Doch Gefühle wie Unsicherheit, Stress, Angst oder Orientierungslosigkeit kennen beide.
Gerade deshalb hilft dieser Vergleich vielleicht Menschen die sich für ein Tier interessieren dabei, die Situation aus der Sicht des Tieres zu betrachten.
Was ist stattdessen sinnvoll?
Wer sich unsicher ist, ob ein Hund ins eigene Leben passt, kann trotzdem viele Erfahrungen sammeln.
Besuchen Sie Tierheime nach Terminvereinbarung.
Lernen Sie unterschiedliche Hunde kennen. Fragen Sie Passanten mit Hund (falls diese gerade Zeit haben und nicht im Training stecken) zu ihren Hunden.
Informieren Sie sich im Internet oder durch Bücher über die unterschiedlichen Rassen und deren Ansprüche.
Begleiten Sie einen Hund mehrfach bei Spaziergängen.
Oder betreuen Sie den Hund eines Bekannten regelmässig über einen längeren Zeitraum.
So erhalten Sie einen wesentlich realistischeren Eindruck davon, was es bedeutet, mit einem Hund zu leben – ohne einem Tier unnötigen Stress zuzumuten.
Unser Wunsch
Wir freuen uns über jeden Menschen, der sich Gedanken macht und Verantwortung übernehmen möchte.
Denn genau solche Menschen wünschen wir uns für unsere Schützlinge.
Aber der beste Start in ein gemeinsames Leben beginnt nicht mit einem "Test".
Er beginnt mit einer gut überlegten Entscheidung, Geduld und dem Wissen, dass Vertrauen Zeit braucht.

Denn ein Zuhause ist kein Ferienaufenthalt.
Es sollte der Ort sein, an dem ein Hund endlich ankommen darf.
Dazu ist es enorm wichtig das der Hund und das Leben des Menschen zusammenpassen.
Was macht Oma Helga mit einer Old English Bulldogge, wenn sie ohne Aufzug im 5 Stock wohnt?
Was macht ein sportlicher Mensch der Gesellschaft beim Joggen sucht, mit einem Mops mit Kreuzbandproblemen?
Was macht das Partygirl das täglich die neuste Mode auf Social-Media Promotet mit einem Alaskan Husky der gerade vom Schlitten aussortiert wurde?
Was macht ein bellfreudiger Hund in einem Wohngebiet das speziell für Ruheliebende Menschen geschaffen wurde?
Wir bleiben bewusst einmal Oberflächlich bei den Rassen ohne weitere Bedürfnisse durch Charakter oder Gesundheit zu bedenken zu geben. Was wir sagen wollen, die Lebensumstände müssen passen! Bevor man ein Tier kennenlernt und ihm Hoffnung macht auf ein Zuhause. Mit herzlichen Grüssen
Tierheim - Tierpension - Tierschutzverein - Webseiten
Hier entsteht die Schweizer Plattform für transparente Tiervermittlung aus verifizierten Tierheimen und Tierschutzorganisationen.






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